
»
Wer nicht hören will, muss lesen« - Über Werbeslogans kann man sich ja streiten. Aber das am 1.10. gestartete Angebot von
hörbuchFM hört sich interessant an:
»Hinter hörbuchFM stehen zwei Berliner Medien-unternehmen (...), die ihre Radio- und Internetkompetenzen bündeln. Eine Redaktion aus erfahrenen und angehenden Journalisten (immer diese Pressemitteilungsumschreibungen für unterbezahlte Praktikanten) sorgt für die redaktionellen Inhalte (ach was!), renommierte Moderatoren (Anja Goerz, rbb, NDR; Peter Illmann, Formel Eins (TV); Sabine Fischer, Grimme-Preis 2004) präsentieren in wöchentlichen Sendungen vielfältige Inhalte, aktuelle Neuerscheinungen und prominente Gäste.«
Ein Blick ins
Programm der ersten Sendewoche offenbart dann auch nicht uninteressante Namen: Emile Zola, Franz Kafka, der unvermeidliche (und unverwüstliche) Sherlock Holmes von Arthur Conan Doyle, außerdem mein Lieblingsmärchen "Das kalte Herz" von Wilhelm Hauff. Könnte echt schlimmer sein... (nur das Programm auf der Website könnte etwas weiter in die Zukunft reichen, als 2-3 Tage, aber es prangt ja auch ein riesengroßes "Beta" auf der Website).
OK, ich würde mit Peter Illmann (die älteren von uns kennen ihn vielleicht noch als ersten und schlechtesten Formel-Eins-Moderator aus dem TV) nicht unbedingt werben, aber so weit ich weiß hat der Mann viele Jahre beim BR-Radio gearbeitet. Sollte also sein Handwerk verstehen. Da ist es vielleicht egal, dass ich den unsympathisch und ein wenig abgehalftert finde. Wichtig ist: Täglich wechselnde Hörbücher, kostenlos im Streaming anhören - und da auch ein Winamp-Stream vorhanden ist mit den einschlägig bekannten Internetradio-Mitschnittprogrammen (
Streamripper,
Phonostar-Player usw.) auf die Festplatte bannen und gemütlich auf dem MP3-Player anhören.
Erfreulich ist, dass sich immer mehr Spartensender und alternative Radioprogramme im Internet - und zwar nur im Internet - formieren und ihre Verbreitung dank Flaterates, WLAN-Radios und Internet-Flatrates fürs Handy zunimmt. (Für hörbuchFM gibt es sogar schon eine iPhone-APP, total hip der Laden, wa?). Die Privatisierung des Radios hat ja in Deutschland nie so richtig funktioniert (noch weniger als die des TVs würde ich sagen) und mir scheint, dass hörbuchFM (das FM ist natürlich Kuatsch, weil es ja eben nicht im FM = UKW-Band des Antennenradios läuft) nur ein weiteres Beispiel dafür ist, wie Betreiber nun versuchen, die relativ günstige und leicht zu bewerkstelligende Übertragung übers Internet als technische Alternative auszunutzen. Viele Internet-Radios machen heute exzellentes professionelles oder semiprofessionelles Spartenradio (mach ich ja mit dem [progrock-dt]-Team schließlich in der
[progrock-dt]-Show und
sal | about | music auf
metal-refinement.de regelmäßig auch!) und setzen damit bewusst auf die Inhalte, die vom Mainstream-Einehitsbrei-Radio verschmäht werden: Musik abseits der von den Plattenfirmen gepushten Top 40 und Moderationen, die anders sind, als das ewig kichernde Guten-Tag- Geblubber bei den "großen Sendern".
Im Falle von hörbuchFM bin ich mir nicht sicher, ob sich solch ein Angebot professionell (und lukrativ) jetzt schon aufbauen lässt. Einige Internetradios (v.a. Byte.FM) haben sich viel Renommee erworben (ob das dann auch zur Kostendeckung reicht, weiß ich allerdings nicht), hörbuchFM versucht sich auf einem neuen Gebiet mit professionellem Anspruch. Auf jeden Fall bleibt es auf dem Radio-Gebiet spannend.