In all den Wirren meines derzeitigen Lebens mag es dem einen oder anderen seltsam zumuten, dass ich noch Zeit finde, um ein Konzert zu besuchen: Für mich war das gestrige Konzert der britischen Avantgarde-Progger
Guapo ein willkommener Anlass um abzuschalten und gleichzeitig in ein "normales" Leben wiederzufinden. Und so oder so eine Gelegenheit, die ich mir nicht entgehen lassen wollte, zumal sie quasi vor der Haustür stattfand (läppische vier Stationen mit der Bahn), im
Underground in Ehrenfeld.
Es ist ja nun längst kein neues Gefühl für mich, dass ich die Besucher eines Konzerts mit Handschlag begrüßen kann, aber was ich gestern auf dem Guapo-Konzert erlebte, war schon besonders krass: Sage und schreibe 12 (in Worten:
zwölf) zahlende Gäste wohnten den düsteren, furiosen und virtuosen Darbietungen der britischen Avantgarde-Progger Guapo bei, zwölf zahlende Gäste, acht davon aus dem Dunstkreis der [p-dt-rhl]. In other words - hätte ich nicht durch Zufall gesehen, dass Guapo im Underground spielen und hätte ich nicht ordentlich die Werbeglocken für den Gig in der [p-dt-rhl] Orgaliste dafür geläutet, hätten sich vier Hartgesottene zum Konzert eingefunden - und das in einer Halle, in der bestimmt locker und ohne Platzprobleme 20x so viele Gäste Platz fänden.
seufz
Musikalisch konnte mich Guapo voll überzeugen, wenngleich natürlich die Art der Musik und die gähnende Leere vor der Bühne nicht gerade zur Interaktion mit dem Publikum und der Location einlud: Live sind bei Guapo die Magma-Referenzen deutlich hörbarer als in den Studio-Werken. Das mag daran liegen, dass sie ohne Studio-Aufwand noch direkter in treibende Kobaia-RIO-Avantgarde-Gefilde abfliegen können. e-Piano, Drums & Percussion, Bass, ab und zu ein paar Soundscapes - das war's schon - und das reicht völlig aus, denn das Konzert war keinesfalls langweilig oder langatmig. Das britische Trio verstand es gut, den hypnotischen Charakter ihrer Musik voll auszuformulieren. Gefallen konnte v.a. der Drummer und Bandleader Dave Smith. Ich habe selten einen Drummer erlebt, der
permanent und dennoch so unglaublich
variabel auf die Snare einkloppt und dabei zusätzlich tausend andere Sachen macht.
Wer noch die Gelegenheit hat, die Band bei einem ihrer Gigs zu erwischen, der sollte nicht zögern. Rettet die Ehre der Avantgarde
