
Noch vor einem Jahr hätte ich müde gegrinst, hätte mir jemand gesagt, dass ich freiwillig auf ein
Porcupine Tree Konzert gehe, doch nach der absolut fantastischen Scheibe von
Blackfield (die auch just in meiner
2004er-Bestenliste auftaucht), spätestens aber nach dem grandiosen
Blackfield-Gig im Prime-Club bin ich ein wenig zum Steven Wilson-Fanboy mutiert. Mag sein, dass seine Musik nicht so wirklich in meine Sammlung passt, doch der Knabe hat's einfach drauf.
Sabbel, sabbel, huarch!
Petra und ich pilgerten also in die Südstadt, ins legendäre
Bürgerhaus Stollwerck. Wie, "legendär"? Ach... ihr habt vielleicht gar nicht die Zeit der zahllosen BAP-Konzerte mit dem
Stollwerck-Leed miterlebt: Anfang der 1980er Jahre gab es harte Auseinandersetzungen um das
echte Stollwerck (benannt nach der Schokoladenfabrik, in dessen Gebäude es früher war), ein
freies Bürgerzentrum, das von der Stadt Köln seinerzeit wegen Baufälligkeit abgerissen wurde und durch ein städtisch verwaltetes "neues"
Bürgerhaus Stollwerck ersetzt wurde. Die alternative Szene fürchtete damals um die Unabhängigkeit des Stollwercks, "staatliche Kontrolle", "big brother is watching you" und so weiter... Damals war litt man gerne unter solchem Verfolgungswahn (heute würde man sich mehr Staat und mehr Geld von Seiten der Stadt bei Bürgerzentren u.ä. wünschen).
Ich schweife ab...öhm, aaaaalso, wo war ich stehengeblieben - ach ja, Petra und ich also ins Stollwerck (Wer zum Henker sucht Porcupine Tree eigentlich immer die Ürgsel-Locations in Kölle aus?), wo wir auf die [p-dt-rhl]er Schuli und Olaf trafen (später auch Lutz, der Chef der
Eisenwerkschänke), im Foyer traf ich dann auch noch Michael und seine Freundin Miriam von der deutschen Porcupine-Tree Website
The Tree (die auch freundlicherweise die Fotos in diesem Blogeintrag zur Verfügung gestellt haben). Um 20 Uhr war dann ziemlich pünktlich (und ziemlich geregelt!) Einlass... und dann hieß es erst einmal warten... eine gute Dreiviertelstunde standen wir einfach nur in der ersten Reihe vorne links rum und warteten...
Um 20 Uhr 45 ging es dann mit der Vorband
Anathema los. Anders als ihre Studioalben, konnten mich diese nur teilweise live überzeugen: Zum einen hatten die Briten massive Abstimmungsprobleme (der Sänger war halt nicht gut zu hören und es war entsetzlich laut und breiig), zum anderen gefiel mir der Drummer John Douglas überhaupt nicht: Möglicherweise ein Autodidakt mit massiven Schwierigkeiten bei allem was nicht dick fellbespannt ist, untight und unsauber, einfallslos und manchmal schlichtweg falsch.
Death Medäll halt 
Die ersten drei Songs fand ich wirklich OK, danach war es nur noch lauter Soundmatsch, der letzte Song war dann wieder versöhnlich.
Nach kurzer Umbaupause erschien dann endlich Steven Wilson und seine Combo, verstärkt durch den US-amerikanischen Singer/Songwriter
John Wesley (der, wie Petra zu berichten wusste, früher bisweilen schon für Marillion eröffnet hatte) an der zweiten Gitarre und eröffnete das Konzert mit dem Opener des neuen Albums "Deadwing". So schlecht der Sound bei Anathema war, so transparent war er bei Porcupine Tree und so mäßig die eine oder andere Leistung bei der Vorband war, so perfekt ertönten Steven Wilsons Geniestreiche. Vier Knaller
in a row, dann 'Smart Kid' und 'Hatesong' (nicht weniger überzeugend, aber etwas Durchatmen war nun erlaubt), dann der absolute Höhepunkt des Sets (und des neuen Albums) 'Arriving Somewhere But Not Here'. Trotz brütender Hitze im ausverkauftem Stollwerck (ca. 500 Gäste - ich bin sicher, PT hätten auch die doppelte Anzahl an Zuhörern mobilisieren können) war die melancholische Stimmung des Songs gänsehauterregend spürbar. Besonders stark hier Wesley zweite Stimme und v.a. Barbieris unfassbare Keyboards. Der Mann produziert wirklich schier unglaubliche Sounds aus seinen Tasten. Es folgten zwei Songs des frühen Porcupine Tree-Albums "Up The Downstair", der erste 'Fadeaway' mit brav hinbekommenen Lead Vocals von Wesley; danach schon das Finale (stark 'Blackest Eyes', das mir viel besser live gefiel als in der Studio-Version) und dann noch mal die Zugabe (besonders gut hier 'Shesmovedon'). Was für eine fantastische Live-Band, was für Könner an ihren Instrumenten, v.a. aber: Was für ein Charisma Musiker wie Wilson und Barbieri ohne großes Posen auf der Bühne entwickeln. Unbeschreiblich und unfassbar.
Als der Gig zu Ende war und die Lichter angeschaltet wurden, waren die meisten Besucher sichtlich bewegt von der intensiven Performance der Band, sogar Schuli brachte nur ein paar "geil" über die Lippen. Musik, die so dicht daherkommt, wie die Porcupine Trees, verlangt dem Zuhörer, der sich auf diesen Trip einlässt, einiges ab: Knappe zwei Stunden Porcupine Tree plus eine Stunde Anathema, für viel mehr hätte zumindest meine Aufnahmekapazität an diesem Abend nicht gereicht.
Setlist:
Deadwing
Sound Of Muzak
Lazarus
Halo
Smart Kid
Hatesong
Arriving Somewhere But Not Here
Fadeaway
Burning Sky
Mellotron Scratch
Blackest Eyes
Even Less.
Zugaben:
Shesmovedon
Trains.
Line-Up:
Steven Wilson - lead vocals, guitars
Richard Barbieri - keyboards
Colin Edwin - bass
Gavin Harrison - drums
mit
John Wesley - guitars, back vocals