s. auch
Pommes, Pannen, Progkonzert
Von den drei Gigs der lustigen Karlsruher Truppe
Trigon (31.10.2003 auf der
Progparade 4 im Substage, Karlsruhe;
27.09.2005 im Underground, Köln) war der gestrige im legendären belgischen Prog-Mekka
The Spirit of 66 der definitiv beste. Die Band war in allerbester Spiellaune (
hihi, sie haben halt vorher mal geprobt - so etwas zahlt sich immer aus) und hatte sich offenbar vom angenehmen Ambiente des Spirits inspirieren lassen. Im Club selbst waren ca. 40 zahlende Gäste (vielleicht auch weniger) - die waren allerdings allesamt recht gefesselt von der Vorstellung des Quartetts. Zwar kaufte kein einziger Besucher während des Gigs eine CD am Merchandising-Stand (den wieder einmal heizi und ich betreuten), aber keine der Gäste verließ den Raum (mal abgesehen von den Bandmitgliedern von La Maschera Di Cera, die sich offenbar auf ihren eigenen Auftritt vorbereiteten).
Vor allem der erste Teil des Konzerts (also die ersten vier, fünf Nummern) war
sehr gelungen: So energiegeladen, so inspiriert hab ich Trigon bisher noch nicht gehört. Absoluter Höhepunkt war für mich eine phänomenale Version von "Spacechick Strikes Back" - das habe ich nie besser gehört, weder live, noch von CD. Umso trauriger, dass offenbar nicht mitgeschnitten wurde oder dass die Aufnahmen nicht gelungen sind

Udo spielte Keyboards, als sei er nie weggewesen: Schöne dezente Akzente und Sounds... hach, ich könnt' da schon wehmütig werden... Stefans Bass kam im Mix (endlich mal) gut durch, so dass man seine exzellente Arbeit an den dicken Saiten gut (und unverzerrt) hören konnte. . Timi hat mit dem Drumkit gekämpft... (es flog halt stellenweise weg) aber... Er hat gewonnen

Seine Leistung war wie immer über alle Zweifel erhaben - ich kenne keinen Drummer in Deutschland, der so groovig spielt wie er. Last but not least: Rainer hab ich
nie inspirierter rumnudeln gehört: Keine Längen, keine Wiederholungen - das war absolute Spitzenarbeit.
Setlist:
Zeitgeist bedingte Unfälle
Raff an Dörti
Space-Chick strikes back
Kamasutra Debakel
Wenn wir dich rauchen schreien wir
Coitus Trigonus Continuum
Verbiegt die Kontrollen zum Herz der Sonne
ZENsation
Wunder werden billigend in Kauf genommen
Dekadenz und Korruption
TanZEN
Blue Time
Der Sound im Spirit war überraschenderweise
sehr gut (laut, ja - aber nicht zu laut) - das hätte ich bei der Art der Location gar nicht erwartet.
Dann kamen die italienischen Retro-Progger von
La Maschera Di Cera, deren letztes Album "LuxAde" immerhin von PFM-Drummer Franz Di Cioccio produziert wurde und wie recht ordentlicher RetroProg der italienischen Machart daherkommt, ganz den Heroen PFM, Le Orme, Banco etc. verpflichtet. Doch im Studio herrschen andere Bedingungen und - und ich glaube, das war entscheidend - es fehlte eine korrigierende Hand. Denn La Maschera di Cera entpuppten sich als langweilige Enttäuschung: Eine billige NeoProg-Truppe im Retro-Gewand.
Ihre Rhythmus-Sektion (unter ihnen immerhin Bandleader Fabio Zuffanti am Bass, der erstaunlich unsauber spielte) imitierte ungeschickt den klassischen Genesis-Sound. Der Drummer Maurizio Di Tollo war dabei geradezu erbärmlich: Einen so schlechten Prog-Drummer habe ich schon lange nicht mehr gehört. Unpräzises, fantasieloses Geholze mit zig Verspielern (Knackpunkt waren die Breaks - danach wieder in den Takt zu finden, war mehr als einmal schwer) und ausser dem 9/8-NeoProg-Gedächtnis-Drumpart hatte er rhythmisch nichts anderes als stupide 4/4 zu bieten... zumindest nicht ordentlich gespielt. Der Saxophonist und Flötist Andrea Monetti brachte mich mit zunehmender Dauer des Konzerts auf die Palme und löste echte Aggressionen aus, denn ausser überblasenen Trillern (wahlweise mit oder ohne Stimme) und ein paar ins Mikro geblökten "Hey" hatte er nichts drauf. Der Sänger Alessandro Corvaglia war zwar nicht schlecht, aber ein unfassbar alberner Poser vor dem Herrn. Theatralisches Gefuchtel wie aus der Genesis-Laienspielgruppe aus Gütersloh-Nord (inklusive lustiger Verkleidungen aus dem Lidl-Karnevals- und Halloween-Sortiment) trugen nicht vorteilhaft zur Unterstreichung der selten dämlichen, luftleeren und betont proggigen Texte bei. Keyboarder Agostino Macor schließlich bewies mit seinen Sounds zumindest Mut (was freilich nicht jedem gefiel), konnte aber die eintönige und theatralisch aufgeblasene Mucke der Wachsmasken wirklich nicht aufwerten. Fazit: Viel Gefuchtel um Nichts.
natürlich ist solch ein Konzert Geschmackssache, aber trotzdem mag ich gerne Einspruch gegen deinen nicht objektiven Konzertbericht geben
Zu einem hat du das Publikum völlig vernachlässigt, denn es gab einen ganzen Haufen Leute, die ganz ganz vorne direkt vor der Band standen und diese abgefeiert haben bis zum geht nicht mehr. Von lautem Jubel über ständiges Mitgröhlen bis hin zu abgedrehten mit-hüpf-einlagen wurde vom Publikum alles geboten. Von den 40 Leuten waren 20 also ganz und gar nicht abgetan von La Maschera.
Desweiteren war der Sänger kein größerer Poser, als es auch Fish und Gabriel waren (gerade was die Verkleidungen angeht), der Flötist durchaus variabler und immer geschmackvoll passend. Der Drummer war wirklich das schwächste Glied, es gab aber durchaus mehr als einen 9/8 und sonst 4/4. Ich habe mehrere 5er bzw. 10er mitbekommen und auch der 7/8 wurde nicht vernachlässigt
Wie gesagt, alles Geschmackssache, aber so ganz konnte ich das geschriebene nicht unkommentiert lassen.
Ansonsten war es ein sehr schöner Abend mit coolen Proggern, tollen Autos und einem wirklich grandios-tollen Schuppen!