Dreieinhalb Jahre nach ihrem
letzten Gig in Köln, der mir seinerzeit sehr gefallen hatte aber weitgehend unbesucht blieb, kehrte die Band um Drummer David J. Smith und Keyboarder Daniel O´Sullivan wieder zurück in die Domstadt, doch dieser Mal erfreulicherweise nicht ins siffige Underground in Köln-Ehrenfeld, sondern in den kleinen Club MTC mitten im Studentenviertel Kwartier Lateng. Damals als Trio (mit dem charismatischen Thompson am Bass), nun zum Quartett angeschwollen, lärmte die englische Truppe was das Zeug hält: Es war eines der kürzesten, intensivsten und lautesten Konzerte, die ich in der letzten Zeit besucht habe.
Doch der Reihe nach, erst einmal das Erfreuliche aus Bandsicht: Waren beim Gig 2005 noch sage und schreibe zwölf zahlende Zuschauer anwesend (davon acht aus der [progrock-dt]), so waren es diesmal bestimmt doppelt so viele, vielleicht sogar 30. Mehr kann man wohl heutzutage nicht erwarten und wie mir Smith und O'Sullivan überstimmend in einem Gespräch bestätigten, sie haben sich längst daran gewöhnt vor wenig Leuten zu spielen. Wer Guapo kennt wird wissen, dass diese Musik nicht gerade massenkompatibel ist und auch in Progger-Kreisen auf nicht uneingeschränktes Verständnis stößt. Das Konzert selbst war intensiv, hypnotisch und überdurchschnittlich laut und dennoch mit guter Akustik, was ein wenig verwunderlich ist im kleinen MTC, das gar nicht so aussieht, als sei der Klang dort gut. Ich fühlte mich während des Gigs permanent an eine wirklich abgedrehte Mischung aus King Crimsons Larks' - Red-Phase und an Terry Rileys "In C" erinnert, obwohl man weder das eine, noch das andere direkt aus Guapos Musik hören kann. Lautstärke, Gewalttätigkeit (!), Hypnose, Ekstase, Surrealismus, minimalistische Monotonie - Guapo ist einfach nichts, was man mit dem Kopf erfahren kann, eher mit dem Körper, der während der Musik permanent vibriert. Die Lautstärke ist hier nicht Ergebnis eines tauben Soundmanns, sondern Teil des Konzepts.
Neben den Führungspersönlichkeiten Smith und O´Sullivan, beides frenetische Musiker, wirkten sich dann auch die neuen Mitglieder James Sedwards (Bass) und Kavus Torabi (Gitarre) relativ schüchtern in der Band, obwohl sie musikalisch auf dem selben Niveau agieren, wie die anderen beiden. Doch Guapos Musik lebt, zumindest live, vor allem vom Dialog der Drums mit dem E-Piano. Die Gitarre setzte dann auch nur ein paar Frippesque Akzente und sorgte für Lautstärke, der Bass unterstrich die rhythmische Dominanz der Guaposchen Musik. Vielleicht ist es dieses ungewöhnliche Kräfteverhältnis, was es so schwer macht, die Musik zu verstehen: Auf viele mag Guapo einfach nur chaotisch oder langweilig wirken, weil hier keine Melodiebögen durchexerziert werden. Alles wird bei Guapo in einen frenetischen, wabernden Rhythmus umgesetzt. Entweder man setzt sich dem organisiertem Lärm bedingungslos aus, oder man flüchtet mit zu Berge stehenden Haaren.
Ich bin (selbstverständlich) geblieben und habe ein sehr gutes Konzert gesehen und hatte nach dem Auftritt der Band sogar ein wenig Verständnis, dass sie nach einer Stunde völlig ausgepumpt die Bühne verließen.