Machen wir es kurz (denn gleich geht es ja schon weiter mit der FreakParade und auch ürgselige Blogger brauchen ab und zu Nahrung, die über Progburger mit Einhorrn-Fleisch hinausgeht). Der erste Tag war gut, bot überragende Musik (Aranis), ekstatisches (Magma), ordentliches (Thieves' Kitchen) und bemühtes (Art Zentral).
Im Einzelnen:
Art Zentral
Der mit Abstand jazzigste Act, den ich jemals in Würzburg gesehen habe, hinterließ einen zwiespältigen Eindruck bei mir. Auf der einen Seite hatte die Formation unbestritten überdurchschnittlich gute Musiker (Saxophon, Drums, Gesang), zum anderen wirkte die Band so bemüht "urban", "modern" und "avantgardistisch", dass es eben doch ein wenig lächerlich war. Deutsche Texte und Ansage sind oft entlarvend, und was dem einen surreal erscheint, ist für den anderen nur affiges, überflüssiges Getue.
Aranis
Das belgische Septett trat in Würzburg nur als Sextett auf (die Flötistin war erkrankt), was aber der Power der kammermusikalisch ausgerichteten Band keinen Abbruch tat. Machen wir es kurz und ich verspreche das eine oder andere zu Aranis in der Quintessenz der FreakParade zu schreiben: Es war mit Abstand die beste Bands des ersten Tages. Ihre mitreißende Mischung aus Minimal Music, Klassik, Bach, Folklore und zeitgenössischer Musik konnte viele im Publikum überzeugen, die eigentlich wegen anderer Bands gekommen waren. Ich denke, das ist gestern keiner anderen Band gelungen. Die CDs gingen nach dem Konzert auf jden Fall weg wie warme Semmeln.
Thieves' Kitchen
Schade um die sympathische Truppe aus GB. Gute Instrumentalisten oder zumindest ordentliche mit zusammengestückelten Kompositionen aus dem Prog-Baukasten, nicht dem trivialsten, immerhin das. Die Band hätte mir mit ihrem konventionellen RetroProg gewisst besser gefallen, wenn ihre Musik für mich durchschaubarer, stringenter, sinnvoller wäre. So blieb vieles einfach nur Stückwerk. Schlecht war es nicht, aber es blieb auch nichts dauerhaft hängen.
Magma
Magma ist eine komische Band, entweder man springt auf den Zug, pardon, das Raumschiff auf und lässt sich auf den Planeten Kobaia entführen (was einem veritablem Drogentrip in nichts nachsteht), oder man schaut sich das bunte, musikalisch starke Treiben mit operettenhaften Inszenierung etwas ratlos an. So ging es mir gestern: Die Elemente wussten durchaus zu gefallen, aber der Funke wollte einfach nicht überspringen. Auf der anderen Seite: Die Fans und all jene, die das besser beurteilen können (Udo, Gerdski, Markus alias Sisy) waren hin und weg, also vertraue ich mal ihrem Urteil und schiebe meinen Unbill auf mein Alter, meine Müdigkeit und auf meine nachhaltige Begeisterung für Aranis.
Trotzdem war es definitv gut, mal Christian Vander in Aktion zu sehen.
Art Zentral fand ich gut, aber zu lang, Aranis waren wie gesagt göttlich gut, Thieves Kitchen waren ok, aber auch zu lang und Magma, naja...