Das Jahresende bzw. der Jahresanfang ist die traditionelle Zeit für Jahresrückblicke, für Listen und Abrechnungen. Fangen wir doch mit dem an, was ich - laut last.fm - das letzte Jahr so an Musik gehört habe. Hier meine Charts vom 31.12.2008, 12 Uhr:

Ahaaaa! Meine meist gehörte Band im ablaufenden Jahr war also
Marillion.
schock Und ich habe keine so recht Erklärung dafür, außer dass ich halt am Rechner gerne Musik höre, die Petra und ich beide gerne hören und mit der ich sie nicht gleich in die Flucht schlage. Dennoch: Marillion als Top-Band hätte ich bestimmt vor Jahresfrist nicht erwartet und muss wohl auch etwas mit dem neuen Doppel-Album "Happiness is the Road" zu tun haben. Zwanzig Tracks müssen erst einmal gehört werden. Dass meine erklärte Lieblingsband
King Crimson nur auf Rang 4 ist, hat freilich auch etwas damit zu tun, dass ja längst nicht alle Musik am Rechner höre, diese also dann auch nicht gescrobbelt werden kann. Außerdem gibt es einen Crimso-nahen Überraschungsdritten mit
Jakko Jakszyk (der Sänger und Gitarrist der 21st Century Schizoid Band), dessen Album 2006er Album "The Bruised Romantic Glee Club" gerade in der ersten Jahreshälfte sehr oft lief.
Keine Überraschung ist der zweite Platz von meinem Lieblings-Jazzpianisten
Bill Evans, den ich immer mehr zu schätzen weiss. Erstaunlich: Als ich mir die ersten Alben von Evans gekauft hatte (weil man so Alben wie "Everybody Digs" einfach haben muss, um sich nicht als Jazzer komplett zu blamieren) konnte mich seine Musik nicht so fesseln. Mittlerweile habe ich mir viele Alben zugelegt, die ich immer wieder höre. Gerade dieses Jahr habe ich wieder einige für mich sensationelle Alben erstanden "The Complete Village Vanguard Recordings" (1961), "From Left to Right" (1970) und das Semi-Bootleg "1972 - Complete February 1972 Paris ORTF Performance" (ein wundervoller Radio-Mitschnitt in perfekter Audio-Qualität) , die ich rauf und runter gespielt habe und die für die gute Platzierung maßgeblich verantwortlich sind. Überhaupt - der Jazz mit Klavier als Lead-Instrument hatte es dieses Jahr bei mir leicht. Das
Esbjörn Svenson Trio (R.I.P. Esbjörn
seufz) mit ihrem letzten Album "Leucocyte", aber auch
Bugge Wesseltoft (Rang 18) liefen bei mir rauf und runter - "Leucocyte" ist für mich das Album des Jahres, zumindest im Nicht-Prog-Sektor - aber zu den Alben-des-Jahres-Listen komme ich erst im nächsten Jahr.
Zur Abteilung "überschwängliche Neuentdeckungen" muss natürlich Shara Worden alias
My Brightest Diamond (auf Rang 5) und
Aranis (auf Rang 10) gewertet werden. Aranis lernt ich durch die
3. Freakparade so richtig lieben, My Brightest Diamond
verzauberte mich zuerst mit einem Videoclip. Beide Acts dominierten das letzte Viertel meines musikalischen Jahres (Platz 1 und 3). Außerdem habe ich dieses Jahr den italienischen Cantautore
Morgan (Rang 11) für mich entdeckt, den ich für einer der talentiertesten Musiker seiner Generation halte. Sein prog-nahes "Da A Ad A" (2007) und sein Remake des Fabrizio-De-André-Klassikers "Non al denaro, non all'amore, nè al cielo" (2005) habe ich oft und gerne gehört.
Alte Bekannte und wiederentdeckte Helden sind sicher dieses Jahr
Todd Rundgren (Rang 6) und
Jade Leary (Rang 7). Jade hat sich längst als einer meiner Lieblingskünstler etabliert (er führt auch die Gesamtstatistik aller gehörten Titel seit 2005 an) und Todd ist natürlich einer meiner ganz großen Jugend-Helden, den ich dieses Jahr, nicht zuletzt wegen seines tollen
Konzerts wiederentdeckt habe. Alte Liebe rostet nicht.
Obwohl ich dieses Jahr bestimmt so viel klassische Musik gehört habe, wie nie zuvor, taucht kaum etwas davon in meinem Top 15 auf. Ausnahmen sind
Freddy Kempf (auf Rang 9) und
Olivier Messiaen (auf Rang 14). Kempf überzeugte mich durch seine sensationelle Einspielung der "Bilder einer Ausstellung", von Messiaen habe ich - neben diversen Werken aus zwei dicken CD-Boxen - vor allem das Raritäten-Album "Inédits" (1999) gerne gehört. Gerade im Bereich der klassischen Musik fehlt hier aber der eine oder andere Künstler/ Komponist in der Statistik, da ich klassische Musik nicht immer am Rechner höre, sondern eben auch auf klassisch auf der Anlage oder mit dem Discman.
Dass es die klassischen Prog-Bands
Genesis (Rang 13) und
Jethro Tull (Rang 15) in meine Top 15 geschafft haben, rehabilitiert mich ein wenig als Progger, spricht aber auch ein wenig für die "Familienfreundlichkeit" ihrer Musik und dass ich die
Nine Inch Nails (Rang 12) oft gehört habe, hängt gewiss mit ihren als
freie Downloads vorab veröffentlichten Alben "Ghosts" und "The Slip" zusammen. Allerdings muss ich gestehen, dass mir jetzt, ein gutes halbes Jahr nach der Veröffentlichung, nicht viel von den Alben in Erinnerung geblieben ist. Dennoch ist das reguläre Album "The Slip" sicher eine der wichtigsten Scheiben des Jahres - fürs Business und ein weiterer Denkzettel für die Plattenfirma nach Radioheads "In Rainbows"-
Streich.
In wie weit diese Charts allerdings mein tatsächliches Hörverhalten einigermaßen exakt wiedergeben, bleibt dahingestellt. Da ich sehr viel Musik am Rechner höre, verfälscht diese Liste mein Hörverhalten nicht übermäßig. In wie weit diese Liste allerdings meinen persönlichen Jahresfavoriten Rechnung trägt - nun, das lässt sich erst in den nächsten Tagen beleuchten, wenn ich meine gefürchteten Favoritenlisten hier veröffentlichen werde.