Ich bin gerade nach Hause (sprich in unsere Ferienwohnung) eingekehrt und möche noch schnell vor dem Einschlafen ein paar Gedanken zu den gesehenen und gehörten Konzerten festhalten, bevor ich darüber geschlafen habe und der Eindruck sich relativiert hat:
Squartet
Das italienische "JazzCore"-Trio (was es nicht alles gibt: JazzCore) begann druckvoll, laut uns keineswegs behutsam. In seinen besten Momenten hatte das alles etwas von King Crimson (Larks-Ära) mit rotziger Attitüde, statt intellektuell etwas rotzig, aber keineswegs unsasuber dargeboten. Das Trio litt von allen heute gesehenen Bands am allermeisten unter der großen Halle, die viel zu viel Hall produzierte, was der Sauberkeit der Darbietungen (bei aller Rotzigkeit) nicht gerecht wurde. Squartet würde ich mir gerne in einem kleineren Club noch einmal anhören. Aber es war alles andere als ein ungelungener Beginn. 3/5 Punkte
Harmonia Ensemble
Ebenfalls Italiener und so etwas wie die Überraschung des Festivals, die an den Überraschungserfolg der belgischen Aranis vom letzten Jahr (fast) anknüpfen konnten. In akustischer Besetzung (Klavier, Cello, Klarinette und Schlagzeug) spielten die Toskaner wohl eher Klassik (für einige zu viel Klassik) mit Rockattitüde, irgendwo zwischen Frank Zappa und Igor Stravinsky (die sie beide sehr originell gecovert haben). Besonders der zweite Teil des Konzerts mit seinem Area-Medley und den originellen und ironischen Zugaben waren ein richtiger Höhepunkt des heutigen Konzerttages. Außerdem waren die vie Toskaner wahnsinnig sympathisch. 4/5 Punkte
United Colors of Sodom
Das Gegenteil des vorigen Highlights: Eine riesige Band spielte über weite Strecken phänomenalen Krach, das Ganze in einem schier unerträglichen Klangbrei, der alle Finessen aus der Darbietung tilgte. Aber auch ohne Müllsound wäre ich mit UCoS nicht wirklich gut zurechtgekommen. Es klang wie der klägliche Versuch einer Rockband so etwas wie Freejazz zu machen, der belegt, dass Freejazz dann eben doch schwerer ist, als man gemeinhin glaubt. 1/5 Punkte
Three Friends play Gentle Giant
Ich habe keine Gentle-Giant-Coverband gesehen und auch keine wiederauferstandenen Gentle Giant, wohl aber 3 Ex-Mitglieder von GG, die sichtlich Freude daran hatten, den alten Kram noch einmal zu spielen. Die neuen Mitglieder fügten sich eigenlich nahtlos ein, trotzdem war dies eher eine "Rockband"-Fassung von Gentle Giant, weil im Klangbild der Three Friends einfach die Bläser und die Streicher und die ganzen anderen originellen Krimskrams-Instrumente fehlen, die GGs Sound ausgemacht haben. Besonders löblich fand ich den Sänger, andere fanden ihn uncharismatisch und farblos (was ich eben nicht fand). Leider sang der Frontmann immer wieder gegen den viel zu lauten Mix an. Andererseits: Wenn Yes auf ihrer anstehenden Tournee so frisch und unabgefuckt daherkämen, dann würde ich sie mir gerne angucken. 3,5/5 Punkte