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Sollst Du oder sollst Du nicht?« Die Frage aller Fragen ("Soll ich diesen Apfel wirklich essen?") stellte ich mir heute Nachmittag, denn eigentlich hatte ich nach einem Tipp im Lokalfenster des WDR Lust bekommen, mir das Londoner
Portico Quartet anzugucken, aber andererseits hatte ich schon den halben Tag vertrödelt und musste noch arbeiten und ach, es schien alles zu knapp. Doch dann schrieb
der allerbeste Lutz der Welt die entscheidende SMS und ich entschied mich für das Konzert und gegen einen Abend Routine: Es sollte eine Entscheidung werden, die ich nicht bereuen sollte. Was die vier jungen Londoner da auf der Bühne gezaubert haben, war etwas ganz Besonderes.
Aufmerksam war ich auf das Portico Quartet durch eine
Rezension ihres zweiten Albums "Isla" im Schallplattenmann geworden. Dort war von »
Post-Jazz« die Rede (bitte was???), da wurden »
Philip Glass, Steve Reich, Alice/John Coltrane, Radiohead, Arthur Russell, Sun Ra oder E.S.T.« als Referenzen genannt und mein Kollege Bernie resümierte: »
eine spannende Platte zwischen allen erdenklichen Stühlen« und auch wenn ich heute Abend bequem in der ersten Reihe links von der Bühne im gemütlichen Stadtgarten saß, das Gefühl, dass Portico Quartet viele Dinge in sich homogen vereint, die normalerweise nur wenig Berührungspunkte haben, dieses Gefühl war das dominierende bei ihrem gut 90-minütigen Gig, der wie im Flug verging. In der Tat vereinen Jack Wyllie (sax), Duncan Bellamy (dr), Milo Fitzpatrick (double bass) und Nick Mulvey (
Hang Drums, eine Art Steel Drum) viele musikalische Welten in sich: Da ist der Minimal Music-Grundteppich, erzeugt von den Hang Drums, der wir ein ruhiges Gerüst in den meisten Kompositionen fußt, da ist das kreative, komplexe Drumming mit Prog-Rock-Attitüde, da ist der unfassbare Akustikbass von Milo Fitzpatrick, der virtuos, treibend, energisch, sanft, groovend sein kann und da ist das mal lyrische, mal virtuose Spiel von des Saxophons (meistens Sopran, seltener Tenor), das alles gespielt mit einer bewundernswerten Lockerheit, die dem Jazz früher oft abging, gleichzeitig aber ohne spektakuläre Posen auskommt, ruhige Momente, aggressive Momente, virtuose Momente, wo man ungläubig auf die sich irrwitzig schnell fliegenden Finger Fitzpatricks starrt. Wenn das die Zukunft des europäischen Jazz ist, und vieles an diesem Abend wies darauf hin, dass wir noch einiges von dieser Formation zu hören bekommen werden, dann ist mir nicht bange um die Zukunft des Jazz. Wer so jung schon eine so unverkennbare Handschrift hat, wer so viele Dinge wie selbstverständlich miteinander verbindet, ohne sie zu zerbrechen, der findet sein Publikum. Die rund 60, 70 Besucher heute im Stadtgarten schienen auf jeden Fall mit der Darbietung zufrieden zu sein. Wer die Möglichkeit hat, der sollte sich die Band in den nächsten Tagen oder in den kommenden Wochen ansehen: Wer auch nur ein Fitzelchen für Jazz, Ambient, Minimal Music, Trip-Hop oder Progressive Rock übrig hat, der sollte sich diese Band unbedingt ansehen, gerade live sind die Jungs absolut faszinierend, zu sehen sind sie noch am 9.04. in Karlsruhe; 10.04. in Bielefeld; 11.04. in Bochum; 13.04. in Stans (CH); 14.04. in Offenburg; 15.04. in Salzburg (A); 17.04. in Passau; 20.04. in Berlin; 21.04. in Dresden; 22.04. in Jena; 23.04. in Chemnitz - später dann am 29.05 in Hamburg; 2.06 in Bregenz (A); 10.06. in Worms; 3.07. in Salzau; 5.07, in Wien (A); 17.07 in Bad Bergzabern (Pfalz), 13.08. in Gronau und am 15.08. in Frankfurt/Main.
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http://www.porticoquartet.com