Was zum Teufel läuft da eigentlich nachmittags im Fernsehen? Eigentlich wollte ich mir ja das Finale der heutigen Tour-de-France-Etappe angucken (Von blöden Bemerkungen über gedopte Radrennsportler bitte ich abzusehen), doch die trödeln heute wegen der großen Hitze rum. Also habe ich wenig durch die Kanäle gezappt. Und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus.
In ein paar Stunden geht die Fußball-WM los und auch wenn bei mir die Begeisterung und Vorfreude noch sehr verhalten ist, ist klar, dass die nächsten vier Wochen kaum ein anderes Thema so wichtig genommen wird, wie diese Sportveranstaltung - darüber kann freilich jeder denken, was er will.
Dennoch ist es sicher nicht schlecht, wenn man einmal alle Spiele auf einen Blick sehen kann, inklusive der Fernsehsender für Deutschland (wie es in der Schweiz und Österreich aussieht, weiß ich gar nicht).
Hier also alle Spielpaarungen und die Anfangszeiten, samt zugehöriger TV-Sender). Bei den Partien des Achtel-, Viertel- und Halbfinales ist noch nicht klar, wer die Spiele überträgt - das hängt davon ab, welche Mannschaften weiterkommen. Alle Spiele werden jedoch im deutschen Free-TV (ARD, ZDF, RTL) und vom Pay-TV-Sender Sky übertragen.
Weitere Infos zu den Spielen, zu den Spielern findet ihr auf den zahlreichen Sportseiten und auf der offiziellen deutschsprachigen Fußball-WM-Seite der Fifa → http://de.fifa.com/index.html
Sobald sich etwas ändert, werde ich es in diesem Beitrag nachtragen. Er wird für die Dauer der WM auch auf der Startseite von uergsel.de bleiben, ggf. einfach etwas scrollen.
(Stand 8. Juli 2010 - mit kompletten Finale, samt TV-Sender)
Ihr habt es vielleicht schon bemerkt, derzeit erscheinen hier keine Besprechungen/ Verrisse von aktuellen Tatort-Folgen. Das hat mehrere Gründe: Die eine oder andere habe ich im Weihnachtstrubel schlichtweg verpasst, den ersten Tatort des Jahres ("Weil sie böse sind", Frankfurt, Erstausstrahlung: 03.01.2010) fand ich ganz ok, hatte aber keine große Lust darüber zu schreiben, den Kölner Tatort vom letztes Wochenende ("Klassentreffen", Erstausstrahlung: 10.01.2010) fand ich nach einer Dreiviertelstunde so hanebüchen, dass ich ihn ausgemacht habe (absurde Zufälle, schlechte Schauspieler, piefige Story), den Bodensee-Tatort von diesem Wochenende ("Der Polizistinnenmörder", Erstausstrahlung: 17.01.2010) habe ich erst gar nicht geguckt. Die rehäugige Betroffenheitskommissarin Klara Blum (gespielt von Eva Mattes, die es eigentlich besser können müsste) und ihr spießiges Provinzteam mit ihren Postkarten-Einstellungen vom Bodensee waren in den letzten Folgen so unerträglich, dass ich mir diese bis auf weiteres spare. Aber: Kommt Zeit, kommt Totart... äh Tatort...
Nun ist es also raus: Nachfolger vom zurecht hochgelobten Frankfurter Tatort-Team Charlotte Sänger/ Fritz Dellwo (gespielt von Andrea Sawatzki und Jörg Schüttauf) wird Joachim Król. Wer als Partner neben Król spielen wird, ist noch nicht entschieden, soll aber noch dieses Jahr bekannt gegeben werden.
Król gilt als einer der besten deutschen Schauspieler und hat in der Vergangenheit bereits in der ZDF-Serie "Lutter" und bei der europäischen Co-Produktion der Comissario Brunetti-Verfilmungen jeweils einen Polizei-Ermittler in Serie gespielt.
Eigentlich wollte ich auch diesen Tatort überspringen, zumal mir die letzten Fälle mit Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) überhaupt nicht gefallen haben, mich eigentlich regelrecht angenervt haben mit ihren "humorvollen" Anteilen. Vor allem der im März ausgestrahlte "Das Gespenst" (Ürgsel! berichtete) mit seinen neckischen, peinlichen Dialogen zwischen der taffen Lindholm und ihrem Memmen-WG-Genossen Martin Felser (Ingo Naujoks) nervten und auch dieses Mal hätte ich gerne auf alle Szenen zwischen den beiden verzichten können. Vielleicht tue ich ja Ingo Naujoks ja unrecht, aber ich finde ihn in der Rolle als neurotischen Krimiautoren Martin Felser schlichtweg unerträglich und es wird von Folge zu Folge schlimmer. Muss man der unterkühlten Karriere-Frau Lindholm wirklich so einen eierlosen "Partner" anbei stellen? Und was soll eigentlich dieses Kind in den Stories? Kein Drehbuch-Autor kann damit so recht etwas anfangen und so ist das Kind, stets so ruhig wie ausgestopft, in zwei, drei Szenen pro Folge zu sehen, aber wir erfahren nichts über das Kind, über die Mutter-Kind-Beziehung, schon gar nichts über die offensichtliche Unvereinbarkeit des Jobs mit dem Kind.
Nein nein, keine Sorge, nicht noch eine Serie, die ich hier mehr oder minder regelmäßig verreißen möchte, im Gegenteil: Die letzten beiden Tatorte habe ich schon übersprungen, den letzten noch nicht einmal gesehen, also keine Angst. Eher weniger, als mehr. Aber wenn schon mein Lieblingsteam aus dem Polizeiruf 110 , das Münchener Duo Jo Obermaier (stets hinreißend direkt und authentisch bayrisch ohne affige Volkstümelei, gespielt von Michaela May) und Jürgen Tauber (yeah, der fiese Zyniker par excellence, gespielt von Edgar Selge) seinen Abschied reinreicht, dann muss ich doch mal ein paar Worte verlieren. Und ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber ich habe den "Polizeiruf 110" stets als eine Erweiterung des Tatort-Konzepts gesehen, auch wenn die Ermittlerteams nicht immer sehr solide waren. Aber Obermaier/Tauber waren immer klasse.
Fast vergessen ist nicht vergessen! Aber fast hätte ich es versäumt den Münchener Tatort "Um jeden Preis" hier zu besprechen. Dabei gäbe es durchaus etwas dazu zu sagen: So richtig spannend war der Fall ja nicht (Was für ein Fall eigentlich?), für Münchener Verhältnisse sogar relativ lahm aber was Kriminalhauptkommissar Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Kriminalhauptkommissar Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) immer rettet, ist ihre schnoddrige Art und zwei glaubwürdig-verschrobene Charaktere. Dann fällt es auch nicht so sehr ins Gewicht, dass einmal mehr eine Figur aus der Vergangenheit eines Kommissars für die menschlichen Verwicklungen in der Story herhalten musste (ein beliebter, aber niemals glaubwürdiger Kunstgriff der Drehbuch-Autoren). Batic als alter Kumpel vom "Gewerkschafts-Obama" Leo Greedinger (Thomas Sarbacher), naja, ich weiß nicht... Aber die ambivalente Figur des Gewerkschafter "der neuen Art" hatte wirklich etwas Geniales (Sarbacher spielte die doppelgesichtige, doppelseitige, doppelbödige Rolle jede Sekunde überzeugend). So widerlich und abgebrüht, dennoch einigermaßen ehrlich bemüht um die Arbeitsplätze, so zielstrebig: Hatte das nicht auch etwas vom jungen Tony Blair? Oder Sigmar Gabriel? Just kiddin...
Eigentlich müsste ich ja jetzt den letzten Tatort aus Ludwigshafen besprechen. Habe ich aber keine Lust zu. Und mir fällt auch nix ein? Warum? Weil es ein dröger Tatort von der Stange war. Unterdurchschnittlich gefilmt (Boah! Sah Ulrike Folkerts alias Lena Odenthal alt aus in manchen Einstellungen... Zoff mit dem Beleuchter?), mäßig besetzt in den Nebenrollen (Ich hasse Sekretärinnen, die Dialekt sprechen, ich hasse Sekretärinnen, die Dialekt sprechen, ich hasse Sekretärinnen, die Dialekt sprechen, ich hasse Sekretärinnen, die Dialekt sprechen...) und in berechnender Weise verwirrend, immerhin mit einer originellen, wenn auch irgendwie nicht ganz wahrscheinlichen Auflösung.
Der Kölner Tatort ist - von einer Schwächeperiode vor drei, vier Jahren mal abgesehen - ein Garant für überdurchschnittliche Krimi-Unterhaltung. Das war auch dieses Mal so, obwohl - und das ist nun wirklich drollig - das Drehbuch wirklich mit einer hanebüchenen Kriminalstory aufwartete, die von unglaubwürdigen Zufällen, Unwahrscheinlichkeiten und Inkonsequenzen nur so strotzte. Was den Tatort rettete, waren die Darsteller, allen voran Hollywood-Star Udo Kier als Obdachloser aus Selbstbestrafung (sic!) "Beethoven".
Die wichtigste Nachricht zuerst: Der Borowski hat sich getraut und seine Psychologin Kollegin Frieda Jung angebaggert, erfolgreich. Die beiden turtelten amüsant durch die zweite Hälfte des Tatorts und verwunderten: Ein Tatort-Team, das ein Liebespaar wird? Das ist der Bruch eines eisernen Gesetzes, oder? Was steht an: Hören die beiden in der nächsten Folge auf, trennen sie sich und ein Schauspieler/ Rolle muss gehen oder was? Auf jeden Fall ist das schon mal besser als die peinlichen Annäherungsversuche der beiden, das war ja zum Mäusemelken. Wenn doch das Paar nur etwas realistischer wäre...
Tja... das war heute aber ein mäßiger Tatort aus Frankfurt, der biederste und langweiligste, auf jeden Fall der leicht zu durchschauendste Fall meines Lieblingsteams Sänger/Dellwo: Was ist bloß geschehen? Der Tatort war gewohnt gut gespielt (und mit Nina Petri in der Rolle als Tatverdächtige Sofia Martens sehr prominent besetzt), gut gefilmt ... aber das Drehbuch konnte mich von Anfang an nicht überzeugen. Zu viele Klischees im Anti-Klischee-Tatort Frankfurt: Die erfolgreiche Geschäftsfrau mit Frauennetzwerk und Callboy-Service verliebt sich in ihre junge, reiche, hübsche und biestige Assistentin aus gutem Hause. Aus welchen schlüpfrigen und biederen Fantasie ist das denn bitte entsprungen? Das klingt eher nach einer Story mit Sharon Stone, billiger Hollywood-Sex-and-Crime, angedeuteter Lesbensex unter taffen Karrierefrauen. Yeah ... mal was ganz Neues.
Normalerweise will ich nicht Artikel meiner verschiedenen Blogs crossposten, aber da uergsel.de mit Abstand die meisten Leser hat, erlaube ich mir ausnahmsweise mal einen "Programmhinweis" in eigener Sache: Auf den Seiten meines jüngsten Blogprojektes italia-blog.de findet ihr einen Artikel über den schwedisch-italienischen Film "Videocracy" bzw. über die wirklich sehr irritierende Reaktion darüber in Italien.
Ich wehre mich ja immer gegen die gerade in Deutschland immer wieder sehr großmäulig geäußerte Kritik an der italienischen Demokratie, aber es gibt freilich starke Tendenzen in der italienischen Gesellschaft, die sehr besorgniserregend sind. Oder wie es ein Kommentar in einem italienischen Videoblog treffend zusammen gefasst hat: «30 Jahren Titten und Ärsche im Fernsehen haben uns (Italiener) lobotomiert.»
Die italienische Website kook.it. offenbar eine junge Truppe an Schauspielern, hat auf Youtube eine Satire um Berlusconis zweifelhafte Aussagen in seinen privaten Affären um Noemi Letizia (die minderjährige Tochter eines angeblich alten Freundes) und Patrizia D'Addario (die Escort-Begleiterin, die Berlusconi angeblich niemals getroffen haben will) veröffentlicht. Das Lost-Autorenteam wird engagiert, um Berlusconi aus dem Netz aus widersprüchlichen Aussagen mit einer abstrusen, aber in sich schlüssigen Geschichte (à la Lost) herauszulavieren.
Die erste Folge von "Lost in Berlusconi" gibt es auch mit englischen Untertiteln:
"Wenn es am schönsten ist, sollte man gehen", diesen etwas traurigen Spruch beherzigt nun das derzeit beste deutsche Tatort-Team Andrea Sawatzki (als Charlotte Sänger) und Jörg Schüttauf (Fritz Dellwo) und verkünden ihren Ausstieg bei der ARD-Krimiserie. Der vorletzte Sänger/Dellwo "Architektur eines Todes" wird am 6. September zu sehen sein; der letzte "Am Ende des Tages" (Arbeitstitel) wird dann irgendwann 2010 laufen.
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